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EU-weit einmaliges Telemedizin-Projekt geht in die heisse Phase

12.11.2014

Der Aufbau von Deutschlands größtem Telemedizin-Projekt „CCS Telehealth Ostsachsen“ hat das erste wichtige Etappenziel erreicht: Nach dem Start im März dieses Jahres ist die Hälfte der technischen und medizinischen Vorbereitungen erfolgreich abgeschlossen. Die Geschäftsführerin der Carus Consilium Sachsen (CCS) GmbH, Sabine Rößing, betonte anlässlich des 5. Nationalen Telemedizin-Kongresses am Donnerstag in Berlin, das EU-weit einmalige Projekt könne „Bergfest“ feiern.
„CCS Telehealth Ostsachsen“ feiert „Bergfest“ auf dem 5. Nationalen Telemedizin-Kongress.
„CCS Telehealth Ostsachsen“ feiert „Bergfest“ auf dem 5. Nationalen Telemedizin-Kongress.
Aus medizinischer Sicht seien viele Grundlagen für den Erfolg des Vorhabens gelegt. So wurden an den beteiligten Kliniken die medizinischen Teams aufgestellt und haben ihre Zusammenarbeit begonnen. Behandlungspfade und Betreuungskonzepte werden implementiert. Die Casemanager und Telenurses als speziell geschulte Pflegekräfte für die Best-Practice-Beispiele des Projekts werden inzwischen für das System geschult. Auch die Auswahl von Patienten für die Pilotphase des Vorhabens habe begonnen.
Auch Michael Hübschen, Programmleiter Telemedizin bei der Deutschen Telekom Healthcare Solutions (DTHS), die die technische Infrastruktur verantwortet, zog am Donnerstag in Berlin eine positive Zwischenbilanz. „Wir haben für Telehealth Ostsachsen bis Ende Oktober viele Hürden meistern können und wesentliche Meilensteine erreicht“, sagte Hübschen. „Damit liegen wir absolut im Zeitplan.“
So wurde unter anderem bei allen beteiligten Kliniken und Ärzten der Bedarf an Hard- und Softwarekomponenten ermittelt, ausgeschrieben und schon teilweise beschafft. Dazu zählen telemedizinische Arbeitsplätze, hochleistungsfähige Server und Scanner für Gewebeproben wie auch Tablets und IP-Telefone für die Patienten. Jetzt können der Aufbau der Plattform und die aufwändigen Programmierungsarbeiten in die heiße Phase gehen.

Virtueller Runder Tisch für alle medizinischen Bereiche

Die Carus Consilium Sachsen GmbH, eine Tochter des Universitätsklinikums Dresden, und die Telekom-Tochter T-Systems International als Projektträger bauen in der Region Ostsachsen eine offene, barrierefreie und interdisziplinäre IT-Plattform für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region auf. Es wird ein virtueller Runder Tisch, an dem Patienten, Ärzte, Kassen, Kliniken und andere medizinische Dienstleister interdisziplinär, online zusammenarbeiten können. Dank eigens geschaffener, standardisierter Software und sicherer Daten-Routen können die Akteure der Region miteinander verbunden werden.
„Noch vor Weihnachten beginnen interne Tests der Basisversion“, kündigte Hübschen an. Im Mai beginnt die Pilotphase, ab Juli 2015 soll „Telehealth Ostsachsen“ mit drei Beispielanwendungen etwa zur Herzinsuffizienz, zur Schlaganfall-Nachsorge und zu Gewebe-Untersuchungen online gehen. Übergeordnetes Ziel ist eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Patienten auch in den ländlichen Regionen.

Insellösungen keine Strategie für die Zukunft mehr

Mit seinen großräumigen universellen IT-Lösungen hat das Projekt selbst im europäischen Maßstab Modellcharakter und wird von der EU und dem Freistaat mit knapp zehn Millionen Euro unterstützt. „CCS Telehealth Ostsachsen bietet die Chance, Möglichkeiten für eine ganzheitliche und langfristige telemedizinische Unterstützung für die medizinische Versorgung in Deutschland aufzuzeigen. Das Vorhaben demonstriert, dass flächendeckende IT-Lösungen in der Medizin für die Zukunft möglich sind“, sagte Telekom-Programmleiter Hübschen.
Bisherige Pilotprojekte zur Telemedizin sind meist zeitlich befristete, regional begrenzte und fachlich eng definierte Insellösungen. Eine Kooperation verschiedener medizinischer Projekte scheitere dabei zumeist wegen unterschiedlicher technischer Grundlagen. Die universell einsetzbare Plattform von CCS und Telekom in Ostsachen sei dagegen auf unterschiedliche Projektszenarien übertragbar, erklärte die CCS-Geschäftsführerin Rößing. Für potentielle Anbieter telemedizinischer Leistungen würden die technischen und wirtschaftlichen Risiken, die der Aufbau eines eigenen Netzwerkes mit sich bringt, deutlich reduziert.

Hoffnung auf Klarheit durch neues E-Health-Gesetz

Das neue E-Health-Gesetz, das Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) noch dieses Jahr vorlegen will, biete parallel dazu die Chance, auch rechtliche Klarheit für die Branche zu schaffen, sagte Hübschen. Ein Knackpunkt ist zudem die baldmögliche Klärung der Vergütungs-Frage beim Einsatz der Telemedizin. Bisher fehle ein einheitlicher, klarer Rahmen zur Bezahlung telemedizinischer Dienstleistungen. Mit den erhofften Klarstellungen sei die Telemedizin schon in wenigen Jahren aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken, so Hübschen.

Versorgung für Patienten in ländlichen Regionen

Telemedizin-Projekt geht in die heiße Phase: Großes Interesse bei Leistungserbringern und Vertretern aus Medizin und Industrie.
Großes Interesse bei Leistungserbringern und Vertretern aus Medizin und Industrie.
Für Hübschen steht fest: „Eine zunehmende Zahl von älteren und chronisch kranken Menschen muss adäquat versorgt werden, auch in ländlichen und strukturschwachen Gebieten. Die flächendeckenden Anwendungen der Telematik und Telemedizin leisten einen Beitrag zur Bewältigung dieser Aufgabe. Unsere offene Plattform ermöglicht dank einheitlicher Standards den breiten Zugang zu medizinischer Expertise – und zwar ohne regionale Grenzen.“ Auch neue Formen einer Betreuung der Patienten im häuslichen Umfeld könnten so realisiert werden.
((Hintergrundinformationen))

Telemedizin-Projekt in Ostsachsen wird Modellregion für Europa

In der Telemedizin gleicht Deutschland bislang einem Flickenteppich: In etwa 100 Städten und Kommunen laufen derzeit rund 200 verschiedene Telemedizin-Projekte parallel, zwischenzeitlich waren es sogar noch mehr. Die Pilotvorhaben sind jedoch medizinisch eng definierte, zeitlich befristete und lokal sehr begrenzte Insellösungen für einzelne Krankheitsbilder. Jedes Projekt wird technisch anders umgesetzt, ist anders finanziert, anders organisiert und mit jeweils anderen Schnittstellen zu erreichen. Erschwerend kommt hinzu: Bis heute gibt es kein einheitliches, klares Vergütungssystem für telemedizinische Dienstleistungen.
Das EU-Projekt „Telehealth Ostsachsen“ geht nun einen anderen Weg und baut eine breit angelegte, offene Infrastruktur für unterschiedliche medizinische Fachgebiete und für eine große Region auf. Das Projekt umfasst das gesamte östliche Sachsen von Meißen über die Landeshauptstadt Dresden bis Görlitz mit rund 1,6 Millionen Einwohnern. Es ist damit das größte Telemedizinprojekt in Deutschland und hat im europäischen Maßstab Modellcharakter. Als Vorbild für ähnliche Projekte in Europa wird es von der EU sowie dem Freistaat Sachsen mit insgesamt 9,8 Millionen Euro gefördert, hinzu kommen rund zwei Millionen Euro Eigenmittel der Beteiligten. Federführend sind die Projektträger Carus Consilium Sachsen GmbH, eine Tochter des Universitätsklinikums Dresden, und die Telekom-Tochter T-Systems International. Im Juli 2015 soll „Telehealth Ostsachsen“ online gehen.

Die Plattform

Die offene, barrierefreie IT-Plattform „Telehealth Ostsachsen“ wird Patienten, Ärzte, Kliniken und andere medizinische Dienstleister miteinander verbinden und auf eigenen Routen einen sicheren Datenfluss zwischen den Akteuren sicherstellen. Es wird ein Runder Tisch, an dem Patienten, Ärzte und andere medizinische Akteure virtuell Platz nehmen können, um interdisziplinär und online zusammen zu arbeiten.
Dazu wird in der Region ein neues Netz bestehender, geschützter Datenleitungen geknüpft, das in der Lage ist, große Datenmengen wie etwa dreidimensionale Darstellungen von Gewebe-Scans verschlüsselt online und sicher zu transportieren. Parallel dazu können beispielsweise Video-Telefonkonferenzen geschaltet werden, um kurzfristig Konsultationen auf Distanz zu führen. Mit den herkömmlichen Internetleitungen wären diese Möglichkeiten kaum ohne weiteres möglich.
Das europaweit einmalige Kernanliegen von Telehealth Ostsachsen ist es dabei, ein neutrales System der Telemedizin zu schaffen, das zukünftig für verschiedenste medizinische Fachgebiete nutzbar ist – und nicht mehr nur wie bisher für jeweils eine spezielle Teildisziplin. Unterschiedlichste Fachärzte diverser Disziplinen und Kliniken sollen einfach und mit wenig Mitteleinsatz an die Plattform andocken können, sozusagen wie an eine Steckerleiste. So müssen sie nicht erst ein neues, eigenes Netzwerk und eigene Software aufbauen. Über einen für diese Steckerleiste entwickelten Adapter kann diese Plattform unterschiedlichste Computersysteme und Programme, die zurzeit in der Medizin angewandt werden, miteinander verbinden.
Als weiterer Baustein des Netzes wird ein zentrales, zertifiziertes Rechenzentrum in Frankfurt/Main mit Datenbanken installiert. Auf ihnen werden elektronische Patientenakten hinterlegt, die die verschiedenen Akteure leicht abrufen können – mit entsprechender Freischaltung. Denn wie beim Online-Banking genießt der Datenschutz in der Telemedizin höchste Priorität. Dennoch soll das Telehealth-Projekt die Grundlage bilden für alle Anbieter, die die Palette der Möglichkeiten des digitalen, medizinischen Netzwerkes nutzen wollen – in Ostsachsen und überall sonst in Europa.

Drei Beispiel-Pilotprojekte

Um die Leistungsfähigkeit der Plattform zu veranschaulichen, wird das Netzwerk „CCS Telehealth Ostsachsen“ von Beginn an für drei unterschiedliche medizinische Beispielanwendungen ausgelegt: Die häusliche Betreuung bei Patienten mit einer Herzschwäche, die ambulante Schlaganfall-Nachsorge sowie der Austausch von Gewebescans unter Klinik-Fachärzten werden die Bandbreite möglicher Anwendungen demonstrieren.
„Tele-Stroke“ ist auf die ambulante Nachbetreuung von Schlaganfall-Patienten ausgelegt. Speziell ausgebildete „Casemanager“ an der Neurologie der Uniklinik Dresden sowie am Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf und am Klinikum Oberlausitzer Bergland in Zittau bleiben im ständigen Kontakt zu Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden, sowie zu deren Ärzten und Therapeuten. Case-Manager überwachen den Patientenzustand, unterstützen die Behandlungsprozesse in der Nachsorge und verwalten die Patientenakten. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Patienten, können die Ärzte über den Hausarzt andere Behandlungen oder Medikamentengaben veranlassen. Die Plattform dient der technischen Organisation dieser Betreuung – und der Patient kann in seinem häuslichen Umfeld bleiben.
Das „Telecoaching“ für die Betreuung von Patienten mit Herzschwäche ist ähnlich angelegt. Fachkräfte des Dresdner Herzzentrums überwachen die Gesundheitsdaten des Patienten, der über ein Tablet-PC von Zuhause aus seine Angaben schickt, einen Fragebogen ausfüllt und Übungen mithilfe von Lernvideos absolviert. Zudem kann ein Patient bei Fragen mithilfe von Video-telefonie mit den Fachkräften des Herzzentrums leicht in Kontakt treten. Bei Bedarf können ein Arztbesuch oder sogar eine Einweisung in die Klinik veranlasst werden.
Die „Telepathologie“ ist zunächst etwas für Experten: Sie soll die Arbeit der Mediziner erleichtern. So werden Gewebeschnitte von einem Hochleistungsscanner erfasst, die Bilder können dann dank der Plattform elektronisch an die jeweilige Partnerklinik für einen zweiten Befund geschickt werden. Zudem können sich Pathologen etwa zu seltenen Tumorerkrankungen austauschen.

Die Region

Telehealth Ostsachsen gilt zurzeit auch flächenmäßig als eines der umfangreichsten Telemedizin-Projekte in Deutschland. Die so genannte Gesundheits-Region von Carus Consilium Sachsen (CCS) erstreckt sich dabei vom Landkreis Meißen über die Landeshauptstadt Dresden und den Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bis in die Landkreise Bautzen und Görlitz. Ende 2013 lebten in dem Gebiet knapp 1,6 Millionen Menschen, mehr als ein Drittel der Einwohnerzahl Sachsens.
Allerdings gehen Prognosen des Statistischen Landesamtes von einem weiteren Schwund der Bevölkerung in den ländlichen Regionen um durchschnittlich etwa 15 Prozent aus. Dieser Verlust geht einher mit einer drastischen Alterung der Bevölkerung: Das Durchschnittsalter der Menschen in Ostsachsen wird bis 2025 um weitere rund fünf Jahre auf über 50 Jahre steigen. Die drastische Folge: In zehn Jahren werden mehr als 40 Prozent der Menschen in den Regionen über 60 Jahre alt sein. Damit wächst zwangsläufig der Bedarf an hochwertiger, medizinischer Betreuung.
Doch zugleich wird es an Ärzten immer mehr mangeln: Schon jetzt fehlt es allein in der ostsächsischen Region nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung an mindestens 45 Hausärzten, doppelt so viele könnten zugelassen werden. Doch ein Viertel der derzeit tätigen Hausärzte in Sachsen sind 60 Jahre und älter und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Angesichts dieser auseinandergehenden Schere wird die Bedeutung der Telemedizin weiter enorm zunehmen.
(Quellen: Statistisches Landesamt Sachsen und Kassenärztliche Vereinigung Sachsen)

Der Zeitplan

Anfang Dezember 2013 hatte die Europäische Kommission das Projekt „CCS Telehealth Ostsachsen“ genehmigt – es ist die erste Förderung einer Telemedizin-Infrastruktur überhaupt, die die EU-Kommission freigegeben hat. Mit dem positiven Zuwendungsbescheid der Sächsischen Aufbaubank von Anfang März 2014 ging das Projekt endgültig an den Start. Mittlerweile liegt eine Basisversion der Plattform-Software vor, sie soll noch vor Ende 2014 erste, interne Tests durchlaufen. Außerdem ist seit Mitte September die eigene Web-Präsentation unter www.telehealth-ostsachsen.de online. Ab Mai 2015 beginnt die Pilotierung des Projektes, Ende Juni muss das Projekt abgeschlossen sein. Ab Juli 2015 soll die Plattform voll im Einsatz sein.


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